Check 01 · Versicherungen

Lohnt sich noch eine Versicherung?

Die ehrliche Antwort: Versichern Sie zuerst Schäden, die Ihre finanzielle Existenz bedrohen. Welche Policen dazugehören, hängt von Ihrer Lebenslage ab. Der Schnell-Check hilft beim Sortieren.

Die kurze Antwort: Erst Existenzschutz, dann Komfort.

Die private Haftpflicht ist für praktisch jeden wichtig. Danach zählen die eigene Arbeitskraft, Wohneigentum, finanzielle Angehörige und Auslandsreisen. Ob weitere Policen sinnvoll sind, entscheidet nicht die Produktliste, sondern die Höhe des möglichen Schadens und Ihre Rücklagen.

Auf einen Blick

  • Grundregel: Existenzbedrohende Risiken versichern, Bagatellen selbst tragen.
  • Für die Privathaftpflicht empfiehlt die Verbraucherzentrale mindestens 10 Millionen Euro pauschale Deckung.
  • Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente prüft, ob Sie überhaupt noch arbeiten können, nicht nur ob Sie Ihren bisherigen Beruf ausüben können.
  • Policen für Handy, Glasbruch, Gepäck oder Sterbegeld sind häufig weniger wichtig als eine ausreichende Rücklage und der Existenzschutz.
  • Personenversicherungen erst kündigen, wenn ein gewünschter Ersatzvertrag verbindlich angenommen wurde.

Die einzige Grundregel, die Sie brauchen

Versicherungen sind kein Sparprodukt und kein Glücksspiel, bei dem man „gewinnen" will. Sie haben genau einen Zweck: Schäden abzufangen, die Sie finanziell ruinieren würden. Daraus folgt die einfachste und beste Faustregel der gesamten Finanzwelt:

Versichern Sie Risiken, die Ihre Existenz bedrohen. Tragen Sie alles andere selbst. Ein kaputtes Handy ärgert Sie. Ein Schadensersatzanspruch über eine Million Euro ruiniert Sie. Nur für den zweiten Fall gibt es Versicherungen, die ihr Geld wert sind.

Diese Regel trennt Risikoabsicherung von Bequemlichkeit. Ein kleiner Schaden lässt sich aus Rücklagen bezahlen. Bei Personenschäden verpflichtet § 823 BGB den Verursacher dagegen zum Ersatz des entstandenen Schadens; die Summe kann die eigenen Mittel weit übersteigen. Genau für solche Fälle ist Versicherung gedacht.

Grundlage: § 823 BGB und die Einordnung der Verbraucherzentralen zu existenzbedrohenden Risiken.

Diese fünf Versicherungen sollten Sie je nach Lebenslage prüfen

1. Privathaftpflichtversicherung – die wichtigste von allen

Wer einen Menschen verletzt oder fremdes Eigentum beschädigt, kann persönlich schadenersatzpflichtig werden. Die private Haftpflicht prüft Ansprüche, wehrt unberechtigte Forderungen ab und zahlt berechtigte Schäden bis zur vereinbarten Summe. Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 10 Millionen Euro pauschale Deckung. Familientarife sollten Partner, Kinder und auf Wunsch auch Schäden durch deliktunfähige Kinder einschließen.

2. Berufsunfähigkeitsversicherung – Ihre Arbeitskraft ist Ihr größtes Vermögen

Wer dauerhaft vom eigenen Einkommen lebt, sollte die Arbeitskraft absichern. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente setzt unter anderem Versicherungszeiten voraus und orientiert sich daran, wie viele Stunden Sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch arbeiten können. Sie schützt damit nicht automatisch den bisherigen Beruf oder Lebensstandard. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann diese Lücke schließen, ist aber nur sinnvoll, wenn Leistung, Ausschlüsse und Beitrag dauerhaft passen.

3. Wohngebäudeversicherung – Basisschutz für Eigentümer

Brand, Leitungswasser, Sturm oder Hagel können ein Gebäude schwer beschädigen. Eigentümer sollten deshalb eine passende Wohngebäudeversicherung haben. Hochwasser, Starkregen und Rückstau sind in vielen Grundtarifen nicht enthalten; dafür ist regelmäßig ein zusätzlicher Elementarschadenbaustein nötig. Prüfen Sie außerdem Versicherungssumme, Selbstbehalt und grobe Fahrlässigkeit.

4. Risikolebensversicherung – wenn jemand von Ihnen abhängt

Wenn Partner, Kinder oder ein gemeinsamer Kredit finanziell von Ihrem Einkommen abhängen, kann eine Risikolebensversicherung die entstehende Lücke absichern. Sie ist reiner Todesfallschutz ohne Sparanteil. Höhe und Laufzeit sollten sich an Unterhalt, Restschuld, vorhandenem Vermögen und dem Zeitraum orientieren, in dem Angehörige Unterstützung brauchen.

5. Auslandsreisekrankenversicherung – für Auslandsreisen prüfen

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt im Ausland nur eingeschränkt Leistungen und keinen Rücktransport nach Deutschland. Die Verbraucherzentralen empfehlen deshalb eine private Auslandsreisekrankenversicherung. Entscheidend ist im Vertrag, dass der Rücktransport bereits bezahlt wird, wenn er medizinisch sinnvoll und vertretbar ist, nicht erst wenn er medizinisch notwendig ist.

Je nach Lebenslage kommen weitere Policen infrage: Kfz-Haftpflicht ist für Fahrzeughalter gesetzlich vorgeschrieben. Eine Hausratversicherung kann sinnvoll sein, wenn Sie den gesamten Hausstand nach einem Großschaden nicht aus Rücklagen ersetzen könnten. Eine Zahnzusatzversicherung hängt von Ihrem Versorgungswunsch, der Zahngesundheit und dem Tarif ab; dazu gibt es einen eigenen Check.

Diese Versicherungen können Sie sich meist sparen

Bei kleinen Schäden ist eine Police häufig teurer und komplizierter als eine eigene Rücklage. Trotzdem zählt der Einzelfall: Prüfen Sie Beitrag, Selbstbehalt, Zeitwert, Ausschlüsse und ob ein anderer Vertrag denselben Schaden bereits abdeckt.

Vorrangig prüfen

  • Privathaftpflicht (für alle)
  • Berufsunfähigkeit (für Erwerbstätige)
  • Wohngebäude (für Eigentümer)
  • Risikoleben (für Familien & Kreditnehmer)
  • Auslandsreisekranken (für Reisende)
  • Kfz-Haftpflicht (gesetzliche Pflicht)

Meist verzichtbar

  • Handy- & Elektronikversicherung
  • Glasbruchversicherung
  • Reisegepäckversicherung
  • Insassenunfallversicherung
  • Sterbegeldversicherung
  • Kapitallebensversicherung als „Sparprodukt"

Bei Handy- und Elektronikversicherungen begrenzen Selbstbeteiligung, Zeitwert und Ausschlüsse häufig den Nutzen. Für planbare Bestattungskosten ist eine zweckgebundene Rücklage oft transparenter als eine Sterbegeldversicherung. Kapitalbildende Lebensversicherungen verbinden Hinterbliebenenschutz und Sparen; wer beides braucht, sollte die Kosten mit getrennten Lösungen vergleichen.

Der 60-Sekunden-Check

Lohnt sich bei Ihnen ein Versicherungs-Update?

Kreuzen Sie an, was auf Sie zutrifft. Das Ergebnis zeigt mögliche Prüfpunkte, ersetzt aber keinen Vertragsvergleich.

Quellen und Prüfbasis

  1. Verbraucherzentrale: Private Haftpflichtversicherung, abgerufen am 14. Juli 2026.
  2. Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungsrente, Voraussetzungen und Leistungsvermögen, abgerufen am 14. Juli 2026.
  3. Verbraucherzentrale: Wohngebäude- und Elementarschutz, Stand August 2025.
  4. Verbraucherzentrale: Risikolebensversicherung, Stand 16. Februar 2026.
  5. Verbraucherzentrale: Auslandsreisekrankenversicherung, Stand 16. Februar 2026.

Häufige Fragen

Welche Versicherungen braucht wirklich jeder?

Neben der gesetzlichen Pflicht zur Krankenversicherung gilt die private Haftpflichtversicherung als zentraler freiwilliger Schutz. Weitere Policen hängen von Ihrer Lebenslage ab. Wer vom eigenen Einkommen lebt, sollte die Absicherung der Arbeitskraft prüfen; Eigentümer brauchen passenden Gebäudeschutz.

Lohnt sich eine Haftpflichtversicherung, wenn ich Kinder habe?

Ja. Ein Familientarif kann Haushaltsmitglieder gemeinsam absichern. Achten Sie auf mindestens 10 Millionen Euro pauschale Deckung und prüfen Sie, ob Schäden durch deliktunfähige Kinder nach den Bedingungen mitversichert sind.

Welche Versicherungen kann ich mir sparen?

In der Regel alles, was Schäden versichert, die Sie aus eigener Tasche tragen könnten: Handy- und Elektronikversicherungen, Glasbruch, Reisegepäck, Insassenunfall und Sterbegeld. Faustregel: Existenzbedrohende Risiken versichern, Bagatellen selbst tragen.

Wie viel sollte ich insgesamt für Versicherungen ausgeben?

Eine sinnvolle starre Quote gibt es nicht. Beginnen Sie mit existenzbedrohenden Risiken und vergleichen Sie dann Beitrag, Leistung und Selbstbehalt. Bagatellpolicen sollten nicht das Budget für den wesentlichen Schutz verdrängen.

Sollte ich alte Versicherungen kündigen?

Nicht pauschal. Bei Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen können Gesundheitsprüfung, Alter oder neue Ausschlüsse einen Ersatz verteuern. Kündigen Sie deshalb erst nach verbindlicher Annahme eines passenden neuen Vertrags. Bei Sach- und Bagatellpolicen prüfen Sie Kündigungsfrist, Doppelversicherung und Eigenrisiko.


Hinweis: Dieser Check dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung oder Vertragsprüfung. Fachlich geprüft am 14. Juli 2026.

Der nächste Check: Zahnzusatzversicherung.

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