Die kurze Antwort: Ja – aber nur eine Handvoll.
Privathaftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung lohnen sich für fast jeden, Wohngebäude für Eigentümer, Risikoleben für Familien. Die meisten anderen Policen versichern Bagatellen, die Sie selbst tragen können – dieses Geld ist bei den existenziellen Policen besser angelegt.
Auf einen Blick
- Grundregel: Existenzbedrohende Risiken versichern, Bagatellen selbst tragen.
- Die Privathaftpflicht ist die wichtigste freiwillige Versicherung – gute Tarife kosten oft unter 5 Euro im Monat.
- Wer vom eigenen Einkommen lebt, braucht eine Absicherung der Arbeitskraft – meist die Berufsunfähigkeitsversicherung.
- Handy-, Glasbruch-, Gepäck- und Sterbegeldversicherungen sind in den allermeisten Fällen verzichtbar.
- Alte BU- und Risikolebensverträge fast nie kündigen – die Konditionen bekommen Sie heute oft nicht mehr.
Die einzige Grundregel, die Sie brauchen
Versicherungen sind kein Sparprodukt und kein Glücksspiel, bei dem man „gewinnen" will. Sie haben genau einen Zweck: Schäden abzufangen, die Sie finanziell ruinieren würden. Daraus folgt die einfachste und beste Faustregel der gesamten Finanzwelt:
Warum funktioniert diese Regel? Bei jeder Versicherung zahlen alle Kunden zusammen mehr ein, als die Versicherung an Schäden auszahlt – sonst könnte das Unternehmen nicht existieren. Im Durchschnitt macht also jeder Kunde „Verlust". Dieser Verlust ist nur dann sinnvoll, wenn er Sie gegen einen Schaden absichert, den Sie unmöglich selbst stemmen könnten. Bei einem 150-Euro-Handydisplay lohnt sich der Tausch „planbarer kleiner Beitrag gegen seltenen kleinen Schaden" praktisch nie.
Diese fünf Versicherungen lohnen sich fast immer
1. Privathaftpflichtversicherung – die wichtigste von allen
Wenn Sie einen Menschen versehentlich verletzen, haften Sie nach deutschem Recht unbegrenzt und mit Ihrem gesamten Vermögen – notfalls ein Leben lang mit Ihrem Einkommen. Ein Fahrradunfall mit Personenschaden kann schnell sechs- bis siebenstellige Summen kosten. Gute Tarife mit mindestens 10 Millionen Euro Deckung kosten oft unter 5 Euro im Monat. Lohnt sich: für praktisch jeden. Mit Kindern gilt das doppelt – achten Sie auf den Einschluss „deliktunfähiger Kinder", damit auch Schäden durch kleine Kinder gedeckt sind, für die formal niemand haftet.
2. Berufsunfähigkeitsversicherung – Ihre Arbeitskraft ist Ihr größtes Vermögen
Wer mit 30 Jahren rund 3.000 Euro netto verdient, erarbeitet bis zur Rente weit über eine Million Euro. Fällt die Arbeitskraft durch Krankheit weg, ersetzt die staatliche Erwerbsminderungsrente davon nur einen Bruchteil. Die BU ist nicht billig und die Gesundheitsprüfung ist lästig – aber sie sichert das mit Abstand größte finanzielle Risiko im Erwerbsleben ab. Lohnt sich: für fast alle, die von ihrem Einkommen leben. Je jünger und gesünder beim Abschluss, desto günstiger.
3. Wohngebäudeversicherung – Pflichtprogramm für Eigentümer
Brand, Leitungswasser, Sturm: Schäden am eigenen Haus erreichen schnell Beträge, die kein normaler Haushalt tragen kann. Für Immobilieneigentümer ist die Wohngebäudeversicherung deshalb keine Frage des „ob", sondern nur des Tarifs. Lohnt sich: für jeden Eigentümer. Prüfen Sie die Elementarschaden-Erweiterung (Hochwasser, Starkregen) – sie wird mit dem Klimawandel immer relevanter.
4. Risikolebensversicherung – wenn jemand von Ihnen abhängt
Sie kostet wenig, leistet im Ernstfall viel und ist das genaue Gegenteil der teuren Kapitallebensversicherung: reine Absicherung ohne Sparanteil. Wenn Partner oder Kinder auf Ihr Einkommen angewiesen sind oder ein gemeinsamer Immobilienkredit läuft, gehört sie ins Paket. Lohnt sich: für Familien und Kreditnehmer. Singles ohne Verpflichtungen brauchen sie nicht.
5. Auslandsreisekrankenversicherung – klein, billig, unverzichtbar
Ein Krankenrücktransport aus dem Urlaub kann fünf- bis sechsstellig kosten, die gesetzliche Kasse zahlt ihn nicht. Die Police kostet für ganze Familien meist unter 25 Euro im Jahr. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im gesamten Versicherungsmarkt. Lohnt sich: für alle, die ins Ausland reisen.
Diese Versicherungen können Sie sich meist sparen
Alles, was hier steht, verstößt gegen die Grundregel: Es versichert Schäden, die ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend sind – oft zu Beiträgen, die in keinem Verhältnis zur Leistung stehen.
Behalten / abschließen
- Privathaftpflicht (für alle)
- Berufsunfähigkeit (für Erwerbstätige)
- Wohngebäude (für Eigentümer)
- Risikoleben (für Familien & Kreditnehmer)
- Auslandsreisekranken (für Reisende)
- Kfz-Haftpflicht (gesetzliche Pflicht)
Meist verzichtbar
- Handy- & Elektronikversicherung
- Glasbruchversicherung
- Reisegepäckversicherung
- Insassenunfallversicherung
- Sterbegeldversicherung
- Kapitallebensversicherung als „Sparprodukt"
Bei Handyversicherungen etwa zahlen Sie häufig 8 bis 15 Euro im Monat, während Reparaturen über Selbstbeteiligungen, Zeitwertabzüge und Ausschlüsse klein gerechnet werden. Die Sterbegeldversicherung ist fast immer teurer als das, was sie auszahlt – ein einfaches Tagesgeldkonto erfüllt denselben Zweck besser. Und die Kapitallebensversicherung vermischt Versicherung und Geldanlage so teuer, dass Verbraucherschützer seit Jahren abraten: Risikoabsicherung und Vermögensaufbau trennt man besser.
Der 60-Sekunden-Check
Lohnt sich bei Ihnen ein Versicherungs-Update?
Kreuzen Sie an, was auf Sie zutrifft – wir sagen Ihnen, ob Handlungsbedarf besteht.
Ja – bei Ihnen klaffen Lücken.
Mindestens eine existenzielle Absicherung fehlt Ihnen. Kümmern Sie sich zuerst um Haftpflicht und Arbeitskraft-Absicherung – beides ist wichtiger als jede andere Police. Bagatellversicherungen können Sie im Gegenzug kündigen und den Beitrag umschichten.
Teilweise – ein Feinschliff lohnt sich.
Die Basis scheint zu stehen, aber an ein bis zwei Stellen verschenken Sie Geld oder Schutz. Prüfen Sie die angekreuzten Punkte: Bagatellpolicen kündigen, alte Verträge auf aktuelle Deckungssummen heben.
Nein – Sie sind gut aufgestellt.
Glückwunsch: Die existenziellen Risiken scheinen abgedeckt, und Sie verbrennen kein Geld für Bagatellen. Ein Vertragscheck alle paar Jahre reicht – etwa wenn sich Ihre Lebenssituation ändert.
Häufige Fragen
Welche Versicherungen braucht wirklich jeder?
Zwei: die private Haftpflichtversicherung, weil Schadensersatzansprüche unbegrenzt hoch ausfallen können, und die Krankenversicherung, die in Deutschland ohnehin Pflicht ist. Wer vom eigenen Einkommen lebt, sollte zusätzlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung prüfen, Hausbesitzer eine Wohngebäudeversicherung.
Lohnt sich eine Haftpflichtversicherung, wenn ich Kinder habe?
Ja, besonders dann. Kinder verursachen statistisch häufiger Schäden, und gute Familientarife versichern alle Haushaltsmitglieder zusammen für meist unter zehn Euro im Monat. Achten Sie auf eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro und den Einschluss deliktunfähiger Kinder – sonst bleibt der Geschädigte bei Schäden durch Kinder unter sieben Jahren auf den Kosten sitzen.
Welche Versicherungen kann ich mir sparen?
In der Regel alles, was Schäden versichert, die Sie aus eigener Tasche tragen könnten: Handy- und Elektronikversicherungen, Glasbruch, Reisegepäck, Insassenunfall und Sterbegeld. Faustregel: Existenzbedrohende Risiken versichern, Bagatellen selbst tragen.
Wie viel sollte ich insgesamt für Versicherungen ausgeben?
Eine starre Quote gibt es nicht. Als Orientierung: Ein Single ohne Auto und Immobilie kommt mit Haftpflicht und BU oft mit unter 100 Euro im Monat aus. Wer deutlich mehr zahlt, sollte prüfen, ob Bagatellpolicen das Budget auffressen, das bei den existenziellen Policen besser angelegt wäre.
Sollte ich alte Versicherungen kündigen?
Nicht pauschal. Alte Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen haben oft bessere Konditionen, als Sie heute neu bekommen würden – fast nie kündigen. Bagatellversicherungen wie Handy-, Glas- oder Gepäckpolicen können Sie dagegen meist bedenkenlos zum nächsten Termin beenden.
Hinweis: Dieser Check ist eine sorgfältig recherchierte Information, ersetzt aber keine individuelle Versicherungsberatung. Beitrags- und Kostenangaben sind typische Größenordnungen, Stand Juni 2026.